Videografie
Unternehmensvideo aufnehmen: Fahrplan, Technik, Kosten
Warum jetzt ein Unternehmensvideo aufnehmen?
Wer ein Unternehmensvideo aufnehmen will, denkt oft zuerst an Kameras. Verständlich. Trotzdem entscheidet die Wirkung sich früher: bei der Frage, welches Ziel Sie verfolgen. Recruiting? Vertrieb? Markenbekanntheit? Ein gutes Unternehmensvideo zeigt nicht nur, was Sie tun, sondern warum es relevant ist – für die eine Person, die zuschauen soll. Aus unserer Erfahrung unterschätzen viele die Klarheit der Botschaft. Je fokussierter, desto weniger Drehschleifen später.
Typische Anlässe sind ein prägnanter Imagefilm, eine Produktvorstellung oder Referenz-Interviews. Gerade im B2B bringt Video Nähe in komplexe Angebote: Prozesse werden sichtbar, Menschen greifbar. Das stärkt Vertrauen – intern wie extern. Und: Videoinhalte sind wiederverwertbar. Ein zentrales Master-Video lässt sich in Social-Snippets, Recruiting-Clips oder Messe-Loops aufteilen.
Was viele außerdem übersehen: Ein Unternehmensvideo produziert man nicht “für alle”. Sie definieren eine Kernaussage und führen konsequent dorthin. Dann wirkt das Video nach – im Vertriebsgespräch, auf Landingpages, in Pitches.
Unternehmensvideo aufnehmen: Schritt für Schritt
1) Ziel und Einsatz klar festlegen: Wofür setzen Sie das Video ein (Website-Hero, LinkedIn, Messe, Sales)? Ein Video kann viel, aber nicht alles gleichzeitig. Treffen Sie eine Entscheidung.
2) Format wählen: Imagefilm erstellen, Produktdemo, Recruiting-Spot, Kundenstimme, Prozess-Erklärung. Jedes Format folgt eigenen Regeln. Eine Produktdemo braucht z. B. klare Features und Close-ups, ein Recruiting-Spot Gesichter und Kultur.
3) Kernbotschaft und Story: Eine Hauptaussage, drei Belege, ein Abschluss. Schreiben Sie eine kurze Outline statt eines Roman-Skripts: Einstiegsszene, Problem, Lösung, Beweis, Ausblick. Das beschleunigt Freigaben.
4) Skript und Sprechertext: Kurz, konkret, visuell denkend formulieren. Pro Satz eine Information. Vermeiden Sie Jargon, erklären Sie Fachbegriffe kurz. Falls Voice-over: vor dem Dreh auf Sprechtempo prüfen (beispielhaft: 120–150 Wörter pro Minute sind gut verständlich).
5) Shotlist und Drehplan: Welche Szenen, welche Einstellungen (Totalen, Halbtotale, Close-ups), welche Personen? Planen Sie B-Roll gezielt: Maschinen in Bewegung, Hände an Produkten, Arbeitswege, Details. Ein kompakter Drehplan mit Uhrzeiten, Ansprechpartnern und Räumen spart am Set Zeit.
6) Orte und Rechte: Drehgenehmigungen, Sicherheitsbestimmungen, Markenrechte (sichtbare Logos Dritter), Datenschutz bei Mitarbeitenden und Gästen. Holen Sie schriftliche Einwilligungen ein.
7) On-Camera-Coaching: Wer spricht vor der Kamera? Schicken Sie zwei, drei Leitfragen und 10-Minuten-Call vorab. Am Drehtag: kurze Warm-up-Fragen, Blick in die Kamera nur wenn es zum Format passt.
8) Freigabeprozess: Wer muss fachlich, wer rechtlich freigeben? Definieren Sie Versionen (V1 Rohschnitt, V2 Feinschnitt, V3 Master) und Fristen. So vermeiden Sie Endlos-Schleifen.
Mit diesem Ablauf lässt sich nicht nur ein Unternehmensvideo produzieren, sondern auch eine kleine, wiederholbare Videoroutine in Ihrem Team aufbauen.
Technik, Ton und Licht: schlau investieren
Die Technik soll dienen, nicht dominieren. Wenn Sie ein Firmenvideo drehen, sind drei Dinge Pflicht: sauberer Ton, ruhiges Bild, stimmiges Licht.
- Ton: Externes Mikro (Lavalier oder Richtmikro) statt Kameramikro. Pegeln Sie Stimmen mit Sicherheitsabstand ein, nehmen Sie in ruhiger Umgebung auf, Raumhall dämpfen (Vorhänge, mobile Absorber). Nehmen Sie 5–10 Sekunden „Room Tone“ auf – hilft im Schnitt.
- Bild: Stativ oder stabilisierter Gimbal, keine nervösen Schwenks. Einheitliche Bildrate (z. B. 25 fps), konsistente Belichtung. Vermeiden Sie Mischlicht, stellen Sie den Weißabgleich manuell ein.
- Licht: Weiches Hauptlicht (Softbox oder großes Fenster seitlich), Aufhellung auf der Schattenseite, optional Kante von hinten. Kleine LED-Panels sind flexibel, Akkus laden!
Smartphones moderner Generation können liefern, wenn Sie Licht und Ton im Griff haben. Kameras mit größerem Sensor bringen Reserven bei Dynamik und Look. Entscheidend ist nicht das Datenblatt, sondern die Kontrolle über die Aufnahmebedingungen.
Praxis-Tipp: Filmen Sie 10–15 Sekunden längere Takes als nötig. Das gibt Puffer für saubere Übergänge und Atempausen. Und sprechen Sie am Set aus, wenn etwas stört – besser eine ehrliche Korrektur als ein fauler Kompromiss.
Drehpraxis: Regie, Interviewführung und B‑Roll
Eine klare Set-Atmosphäre macht alles leichter. Briefen Sie die Runde: Wer führt Regie, wer stellt Fragen, wer checkt Ton und Licht? Eine kurze Probeaufnahme beruhigt alle.
- Interviews: Offene Fragen, kurze Fragen, eine Information pro Antwort. Wenn sich Gäste verhaspeln: ruhig neu ansetzen lassen, kein „Entschuldigung“ nötig. Blickrichtung festlegen (in die Kamera oder leicht daneben).
- B-Roll gezielt drehen: Planen Sie Übergänge mit Bewegungen (Tür öffnet, Hand nimmt Produkt, Maschine startet). Drehen Sie Varianten: ruhig, langsam, detailreich. Close-ups erzählen oft mehr als Totale.
- Kontinuität sichern: Gleiche Reihenfolge, gleiche Handgriffe, wiederholbare Aktionen. Ein kurzer „Kamera läuft – Klappe“ Moment (auch ohne klassische Filmklappe) hilft später beim Synchronisieren.
- Set-Disziplin: Handylautlos, Türen zu, keine spontanen Umbauten ohne Kamera-/Lichtcheck. Notieren Sie gute Zitate und Timecodes.
Wenn Sie ein Unternehmensvideo aufnehmen, lohnt es sich, nach starken Schlusssätzen zu fragen: „Was bedeutet das konkret für Kundinnen und Kunden?“ Ein klarer Abschluss erleichtert den Call-to-Action im Schnitt.
Postproduktion: Schnitt, Grafik, Musik und Untertitel
Im Schnitt wird die Story gebaut. Starten Sie mit dem stärksten Moment, nicht zwingend mit der Chronologie. Danach: Problem, Lösung, Beleg, Ausblick. Kürzen Sie Füllwörter, fügen Sie Atmer-Überbrückungen mit B-Roll ein.
- Grafik/Branding: Logoanimationen sparsam nutzen, Bauchbinden klar, nicht zu klein. Farben und Schriften aus dem Brand Kit, Kontrast für Lesbarkeit prüfen.
- Musik: Rechte klären. Musik unterstützt, führt aber nicht. Pegeln Sie Musik unter Sprache dezent ab, lassen Sie Pausen an Schlüsselstellen.
- Untertitel: Pflicht für Social und lautes Umfeld. Offene Untertitel (Open Captions) sorgen für Reichweite, Seitenformat anpassen.
- Formate: Export in 16:9 (Website/YouTube), 1:1 oder 4:5 (Feed), 9:16 (Stories/Reels). Kurze, prägnante Intros für Social-Varianten schneiden.
Versionieren Sie bewusst: Master (2–3 Minuten, beispielhaft), Kurzfassung (30–45 Sekunden), drei bis fünf Social-Snippets (6–15 Sekunden). So nutzen Sie ein Produktionsfenster maximal aus.
Ressourcen, Budget und Zeitplan realistisch planen
Ein Unternehmensvideo produzieren ist ein Team-Sport. Rollen, die sich in der Praxis bewährt haben: Projektleitung, Regie/Redaktion, Kamera, Ton, Licht, Schnitt/Motion Design. Bei kleinen Setups lassen sich Funktionen bündeln, doch ein dedizierter Tonmensch zahlt sich fast immer aus.
Zeitbedarf – beispielhaft: Vorproduktion 1–2 Wochen (Konzept, Skript, Abstimmungen). Dreh 1–2 Tage (je nach Umfang/Orten). Postproduktion 1–2 Wochen (Rohschnitt, Feedback, Feinschnitt, Master). Engpässe entstehen oft bei Freigaben – planen Sie Puffer ein.
Budget denken: Nicht nur Dreh-Tagessätze. Auch Vorproduktion (Konzept, Location-Checks), Nutzungslizenzen (Musik, Sprecher), Grafikanimationen und Untertitel einbeziehen. Rechnen Sie außerdem mit Anpassungen für verschiedene Formate, wenn Sie früh Multiplizierung planen.
Make-or-Buy? Interne Teams gewinnen Nähe und Geschwindigkeit, externe Produktion bringt Routine, Technik und frische Perspektive. Wenn Sie punktuell Unterstützung möchten, schauen Sie sich unsere Content-Produktion an – häufig starten wir mit einem Pilotdrehtag und entwickeln daraus eine wiederholbare Serie.
Best Practices, Checklisten und ein Mini-Beispiel
Was in Projekten immer wieder den Unterschied macht: kleine Routinen, die Qualität sichern.
- Check-in vor dem Dreh: Ziele, Schlüsselbotschaft, Zielplattformen, maximale Videolänge, Freigabeprozess – einmal laut aussprechen.
- Technik-Check: Akkus geladen, Speicherkarten formatiert, Ersatzkabel, Gaffer-Tape, weiße Karte fürs Weißabgleichen, ND-Filter für Fensterlicht.
- Set-Sicherheit: Wege frei, Kabel getapt, Notausgänge zugänglich, Schutzausrüstung in Werkshallen.
- Drehlog: Gute Takes, O-Töne, B-Roll-Ideen mitschreiben. Spart später Suchzeit.
- Freigabe clever: Kommentare bündeln, Verantwortliche für inhaltliche vs. formale Anmerkungen trennen.
Beispiel (fiktiv, aber realistisch): Ein mittelständischer Maschinenbauer will ein Firmenvideo drehen, das neue Serviceverträge erklärt. Ziel: Vertrieb nutzt es im Erstgespräch. Lösung: 90-Sekunden-Master, drei Funktions-Highlights, zwei Kunden-O-Töne, klare Callouts. Dreh an einem Tag: morgens Interviews im Showroom, nachmittags B-Roll in der Fertigung, abends Inserts vom Dashboard. Im Schnitt entstehen zusätzlich vier 9:16-Clips für Social. Effekt: Der Vertrieb verschickt das Video vor dem Termin – die Gespräche starten auf höherem Niveau.
Wenn Sie ein Unternehmensvideo aufnehmen, denken Sie an die nächste Stufe: Wie wird daraus eine Serie? Quartalsweise Produkt-Updates, wiederkehrende Kundengeschichten, kurze Recruiting-Formate. Ein bewährtes Setup amortisiert sich mit jedem weiteren Clip.
Ihr nächster Schritt: Sammeln Sie zwei, drei starke Anlässe, definieren Sie Kernbotschaften, prüfen Sie Team und Technik – und sprechen Sie mit uns, wenn Sie Tempo reinbringen wollen. Wir beraten pragmatisch, drehen effizient und liefern pünktlich. Nehmen Sie Kontakt auf – wir freuen uns auf Ihr Thema.
Haeufige Fragen
Wie lange dauert es, ein Unternehmensvideo aufzunehmen?
Je nach Umfang: Vorproduktion 1–2 Wochen, Dreh 1–2 Tage, Postproduktion 1–2 Wochen (beispielhaft). Der größte Zeitfaktor sind meist Freigaben.
Welche Kamera eignet sich für Firmenvideos?
Wichtiger als das Modell: externes Mikro, stabiles Stativ, gutes Licht. Moderne Kameras oder Smartphones liefern, wenn Ton und Licht stimmen.
Wieviel kostet ein Unternehmensvideo?
Hängt stark von Konzept, Drehtagen, Animation und Rechten ab. Planen Sie neben Dreh auch Vorproduktion, Musik-/Sprecherlizenzen und Untertitel ein.
Braucht man ein Skript für einen Imagefilm?
Ein kurzes Outline mit Kernaussage, Belegen und Szenen reicht oft. Es beschleunigt den Dreh und erleichtert den Schnitt – ohne starr zu wirken.
